Economics reconsidered – Wirtschaft neu gedacht

Datum/Zeit
Datum - 09.09.2015 - 10.09.2015
Uhrzeit - Ganztägig

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Die Universität Siegen möchte Forschung und Lehre in den Wirtschaftswissenschaften stärker mit den Sozialwissenschaften verknüpfen. Neues Institut und neuer Studiengang geplant.

In der Griechenland-Krise geht es um mehr als nur Geld. Es geht um Politik, um Kultur, um Menschen in Griechenland und anderen EU-Staaten. Die Griechenland-Krise ist deshalb ein Beleg dafür, dass Wirtschaft und Finanzen kein abgekoppelter Raum sind, sondern starke Bezüge zur Politik- und Sozialwissenschaft bestehen. Das Symposium „Economics Reconsidered – Towards New EconomicThinking“ an der Universität Siegen stellte sich nun der Frage, wie die Ökonomie der Zukunft aussehen kann, um dringende gesamtgesellschaftliche Probleme zukunftsfähig zu lösen– und Wirtschaft neu zu denken. Zu Gast waren unter anderem Harald Peter (Vorstand Sparkasse Siegen), Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Direktor Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie), Prof. Dr. Friederike Welter (Präsidentin Institut für Mittelstandsforschung, Bonn), Prof. Dr. Till van Treeck (Professur für Sozialökonomie, Universität Duisburg-Essen) und die international renommierten Wissenschaftler Prof. Dr. Thomas Ferguson (Institute for New Economic Thinking, New York), Prof. Dr. Bonnie Nardi (University of California, Irvine) sowie Prof. Dr. David Audretsch (Director, Institute for Development Strategies, University of Indiana).

„Griechenland ist ein Beispiel, wie die Zukunft des Diskurses aussehen kann, denn es geht hier nicht nur um Wachstum, sondern um die Zukunft des Euro, der EU-Erweiterung und weitere Fragen. Politikwissenschaft und Wirtschaft haben sich auseinanderbewegt, wir müssen wieder aufeinander zugehen und diesen normativ eingeengten Diskurs aufbrechen. Wir dürfen uns nicht länger in Theorien verlieren, die Wirtschaft muss das Leben der Menschen verbessern“, sagte Prof. Dr. Volker Wulf, Dekan der Fakultät III (Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht) der Universität Siegen.

Poster-page-001Gemeinsam mit der Philosophischen Fakultät plant Prof. Dr. Wulf deshalb die Gründung eines Instituts an der Schnittstelle zwischen Sozial-, Politik- und Wirtschaftswissenschaft. Das Profil der Uni Siegen in Forschung und Lehre soll durch die Besetzung dieser Schnittstelle entscheidend geschärft werden. „Für uns ist das eine große Chance, eine Forschungs- und Lehrstrategie zu entwickeln. Auf die Bankenkrise 2009 gab es keine überzeugenden Antworten. Die Wirtschaftswissenschaften haben sich zurückentwickelt. Das Ziel ist, eine größere gesellschaftliche Relevanz für Lösungen aus der Wissenschaft zu erreichen. Wir müssen uns an den Problemen der Wirklichkeit, an der Praxis, orientieren“, sagte Prof. Dr. Wulf.

„Die Trennung in wissenschaftliche Einzel-Einheiten, in ökonomisches, politisches oder rechtliches Denken hat keinen Sinn. Es sind immer mehrere Interessen im Spiel und deshalb ist es für uns in Siegen eine große Chance, an den echten Problemen der Menschen zu forschen um beispielsweise die Lebensqualität älterer Menschen zu erhöhen. Wir möchten gemeinsam Forschungsprojekte entwickeln, die beide Disziplinen, also Wirtschaft und die Sozialwissenschaften, zusammenbringen. Das ermöglicht Lösungen, die mehr sind als Wirtschaftstheorien“, erklärt Prof. Dr. Christoph Strünck.

Es geht jedoch nicht nur um die großen Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik, sondern auch die Unternehmen in der Region Südwestfalen. „Viele mittelständische Unternehmen stehen vor Problemen wie beispielsweise den Herausforderungen des demografischen Wandels. Wenn Unternehmen Nachwuchskräfte ausbilden, stellen sich die Fragen, ob diese in der Region bleiben, was eine Region lebenswert macht, wie sie attraktiv für Fachkräfte sein kann. Siegen hat hier riesige Chancen, neue Bereiche zu erschließen. Wir müssen alle Disziplinen einbeziehen, denn diese hängen zusammen – so kommt man zu guten Lösungen“, sagte Prof. Dr. Friederike Welter.

Die Präsentationen der Vorträge finden Sie hier

Denken wir Wirtschaft richtig? – Implikationen fürs Studium

Am zweiten Tag des Symposiums trafen sich die Mitwirkenden in Scoutopia in der Weidenauer Straße. Hier eröffnete Frau Prof.In Dr. Petra Moog zu Beginn die neue Graduate School „SME – Sustainable Managing Entrepreneurs“ der Fakultät III, deren Kürzel nicht ganz zufällig einen direkten Bezug zum Masterstudiengang SME-Management erkennen lässt. In enger Kooperation in Forschung und Lehre sollen die Einrichtungen einander ergänzen und voneinander profitieren.

In einem inspirierenden und kritischen Vortrag stimmte anschließend der Leiter des Wuppertalinstituts für Klima, Umwelt, Energie Prof. Dr. Uwe Schneidewind auf den weiteren Tag ein und zeigte anschaulich und fundiert, warum die Nachhaltigkeitsforschung dringend eine Debatte über die Transformation des gegenwärtigen Wirtschaftssystems sprich den Kapitalismus führen muss.

Ergebnisplakate des Workshops:

Moderiert von Gustav Bergmann und seinem Team arbeiteten die Anwesenden im Anschluss gemeinsam in intensiven Kleingruppenworkshops zu Inhalten, Struktur und Forschung der Wirtschaftswissenschaften sowie an den Ideen für einen neuen wirtschaftswissenschaftlichen Masterstudiengang. „Ziel ist es einen neuen Studiengang zu entwickeln, der die Wirtschaftswissenschaft wieder als Teil der Sozialwissenschaften auffasst und eine ganzheitliche ökonomische Bildung ermöglicht“ sagte Prof. Gustav Bergmann, der mit seinem Team den zweiten Tag des Symposiums organisierte. Der Wirtschaftsdidaktiker Prof. Nils Goldschmidt forderte mehr Reflexionsfähigkeit und Wissen, denn geschichtliche Zusammenhänge seien auch für Wirtschaftswissenschaftler dringend notwendig. Unterstützt wurde die Workshoparbeit von Studierenden des Netzwerks für plurale Ökonomik, die ihre Erfahrungen und eigenen Ansätze einbrachten. Der Dekan Prof. Volker Wulf kommentierte dies: „Ich finde es toll, dass so viele Studierende gekommen sind und ihre Meinung mit uns geteilt haben. Die Diskussion mit den Studierenden ist ungeheuer wichtig für uns“.

Hier gibts die Pressemitteilung als PDF-Datei zum Download.

Ankündigungstext zu der Tagung:

The economic mainstream is characterized by theoretically, research-methodologically, and normatively rather narrow as- sumptions and conventions. This seems to be specifically true for the German discourse. The recent macro-economic crises and the dissatisfying modes of explanation underline this fact. Since the academic discourse influences public opinion and political decision making, we need to open up the debate. Therefore, the University of Siegen, in association with a network of international partners, is hosting a symposium to question the current state of economic thinking. Our goal is to implement a more pluralistic, empirical and critical approach towards economics, re-linking economics and social sciences at the University of Siegen.
The objective of the symposium is to provide a critical positioning on the current state of research. Derived from this objective, a re- search agenda will be developed for a research institute which is in the making at the University of Siegen. The institute is to be created where economics and social science meet. Focusing on the concept of economic, social and ecological sustainability, research activi- ties at the institute will try to link finding from a micro and macro perspective. The research paradigm is intended to be interdiscipli- nary, pluralistic in methods and directed towards key social issues. Additionally, we intend to enrich our study programs in economics and social science. Forthcoming master programs will integrate perspectives from economics, law, political science, and sociology, using state-of-the art teaching methods.

Das vollständige Programm finden Sie im Veranstaltungsflyer:
Veranstaltungsflyer

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